Löwen gewinnen die "Styrum-Open"
Hallenfußball in Mülheim ist und bleibt ein Highlight im Sportkalender der Stadt. 3.600 Fans kamen an den vier Spieltagen, allein 1300 waren es beim Finale.
Besonders beim Halbfinale zwischen dem hohen Favoriten VfB Speldorf und dem in den siebziger Jahren großen 1. FC Mülheim war Stimmung in der Bude. Gerade schon drohte der Spannungsbogen der Veranstaltung angesichts der Speldorfer Überlegenheit gegen Null zu tendieren, da drehten die Zuschauer binnen Minuten auf. 4:0 lag der NRW-Ligist schon vorne, als sich die Löwen bis zum 4:4 ins Spiel zurück kämpften:
Dennis Huppertz gelang dann für den VfB das 5:4 in Überzahl, gekontert vom FCM-Ausgleich durch Jusef Saado fünf Sekunden vor der Sirene. Neun mal landeten die folgenden Neunmeter sicher im Netz, bevor Speldorfs Kadir Mutluer vergab. Da standen die ersten Fans des VfB Speldorf schon auf dem Platz, um sich die entstehende Rudelbildung mal von Nahem anzuschauen.
So standen sich im Finale die beiden Gruppenzweiten gegenüber. Der 1. FC Mülheim von der Moritzstraße und der SC Croatia, an der Von-der-Tann-Straße zu Hause. Letztere hatten in der Zwischenrunde noch mit 5:2 die Oberhand behalten, nun drehte der 1. FC Mülheim den Spieß um. 7:2 durch Treffer von Murat Canim, Houcein Haimami (je 2) Jusef Saado, Dogan Celik und ein Eigentor, bei Gegentoren von Mirhet Kokic und Spielertrainer Robert Babic, hieß es schlussendlich.
Und für den tapferen Kreisligisten wurde es nichts mit dem „Prvak grada u dvorani“, dem Hallenstadtmeistertitel. „Wir hatten nur zehn Minuten Pause und keine Kraft mehr“, sagte Babic. Zumindest was die Party auf dem Feld anging, konnte man aber keinen Unterschied zum Sieger erkennen.
„Und gleich feiern wir noch im Vereinsheim“, meint hingegen Cengiz Temur, der neue Hallenstadtmeister-Trainer, „und dann erzählen wir uns noch ganz oft die Geschichte von der Aufholjagd gegen Speldorf.“
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WAZ vom 21.11. 2009: Bad ohne Boden
von Steffen Tost, WAZ
Die Begeisterung ist einer Ernüchterung gewichen. Es zeichnet sich ein Rechtstreit mit der Betreiberfirma ab. Das Bad brachte 2008 ein Minus von 608 000 Euro.
Wie ernst es um das Naturbad in Styrum steht, machte im gestrigen Sportausschuss die beikäufig gestellte Frage deutlich, wann denn die Verjährung einsetze. Inbetrieb genommen wurde das Bad nach dem Umbau 2006, also könnte man noch bis 2010 gegen den Betreiber Eko-Plant vorgehen. Denn Probleme gibt es nicht nur mit der Sauberkeit bei starkem Andrang, sondern auch mit explodierenden Betriebskosten, aber auch mit einem spärlichen Besucherandrang bei mäßigem Wetter, weil das Badewasser nicht aufgewärmt wird.
Heinz Moseler, Chef des Mülheimer Sport-Service, betonte aber, dass alle Beteiligten, auch die Betreiber von Eko-Plant, alles dran setzen, das Bad in einen funktionstüchtigen Zustand zu versetzen. Gleichwohl würden beide Parteien „ihre rechtlichen Bataillone in Stellung bringen”. In der ersten Saison hatte das Bad wiederholt geschlossen werden müssen, weil die Sichttiefe nicht ausreichte und die Wasserqualität nicht stimmte. In den beiden folgenden Jahren fehlte die notwendigen 6000 Besucher an drei aufeinander folgenden Tagen für eine wietere Beurteilung des Problems.
Auch die externe, unabhängige Begutachtung in der vergangenen Saison führte deshalb nicht zu einem verwertbaren Ergebnis, wie Werner Wilms vom Immobilien-Service berichtete. Für eine endgültige Bewertung seien noch weitere Untersuchungen erforderlich, die bereits in Auftrag gegeben seien. Zu klären sei etwa, inwieweit die Eintrübung des Wassers von steigenden Besucherzahlen abhänge und wie leistungsstark der Phosphatfilter funktioniere.
Auch einen Strömungstest hat der Gutachter vorgeschlagen, der allerdings erst im nächsten Frühjahr möglich sein wird, da wegen der Frostgefahr bereits das Wasser aus den Becken gelassen worden sei. Nach diesem Test hält Wilms eine abschließende Beurteilung, ob das Bad vertragskonform und mängelfrei geplant und erricht worden sei, für möglich.
Moseler teilte mit, dass das Betriebsjahr voraussichtlich mit einem Defizit von 608 000 Euro abschließe. Vorgesehen war ein Verlust von 430 000 Euro. Das Defizit ergibt sich nicht nur aus den Eintrittsgeldern, die mit 44 800 deutlich hinter den erhofften 125 000 Euro zurückblieben. Die Kosten für den Betrieb lagen bei 100 000 Euro (geplant: 36 000 Euro), für Personal bei 172 000 (130 000 Euro) und für Instandhaltung bei 61 800 (56 000Euro). Die Mehrkosten beim Personal seien vor allem auf die Pflege der Grünanlagen und der Reinigung der Becken zurückzuführen. Auch rechnet Moseler, der eine Erhöhung der Eintrittspreise ausschließt, künftig mit höheren Instandhaltungskosten.
„Damit haben sich unsere Befürchtungen leider erfüllt und die Kosten liegen über denen eines konventionellen Bades”, meinte Rolf Mühlenfeld (SPD). Zuvor war Gegenteiliges angekündigt worden. Es sei kaum auszumalen, wie die Kosten explosionsartig in die Höhe schnellen, wenn der nächste Sommer heiß werde.
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WAZ vom 11.6.2008: Mehr für die Mitte
von Jörn Stender,
Rund um die Haltestelle Sültenfuß soll die Aufenthaltsqualität merklich verbessert werden. Styrumer und Gesamtschüler brachten ihre Ideen ein. Erster Planungsentwurf eines Kölner Büros fand breite Zustimmung
THEMA DER WOCHE LEBEN AUF DEN PLÄTZEN Styrum Mitte, das ist gefühlt der Bereich rund um die Haltestelle Sültenfuß, das sind die wenigen hundert Straßenmeter zwischen Goeben- und Moltkestraße. Der Ist-Zustand: Vorort-Allerlei längs der Oberhausener Straße. Einige Einzelhandelsgeschäfte und Dienstleister, die ausdauernd der Ketten-Konkurrenz trotzen, ein funktioneller Parkplatz, dem wohl kaum einer Aufenthaltsqualität zubilligen würde, ein kleiner Platz, der vornehmlich als Abstellfläche für einen Verkaufswagen dient, die dominierende Sparkasse in Ecklage, zunehmend Wett-Läden und Imbiss-Cafés rundum. Wenig Grün, kaum Sitzmöglichkeiten - Ende der Bestandsaufnahme.
Die Vision von der Zukunft sieht bunter, einladender aus. Das in der Planer-Animation belebte beschauliche Vorort-Leben dreht sich um einen - neuen Platz. Wo heute noch vornehmlich Verkehr fließt, soll Styrum ein Zentrum mit Wohlfühlcharakter bekommen. Die Soll-Ideen: Die Oberhausener Straße wird zum Boulevard. Abbiegespuren werden zurück genommen und gepflastert, der Park- wird zum Marktplatz mit Baumreihe vor den Häusern. Außengastronomie belebt die Ecke am Rosenkamp, die Freiräume werden mit Bauminseln gestaltet, ein Kiosk-"Medienturm" überbaut die unansehnlichen Versorger- und Trafokästen setzt ein markantes Sichtzeichen in Styrum neben dem heutigen Containerstandort, der natürlich verlegt werden würde. Bänke, Bodenstrahler und Fahrradständer runden das Bild ab.
Den Entwurf haben die Architekten Lorber und Paul aus Köln vorgelegt und damit den vorläufigen Schlusspunkt unter eine lange Planungsphase gesetzt. Die Platzgestaltung hat "zwei bis drei Jahre Vorlauf. Ich denke, das war bislang ein gutes Beispiel dafür, wie sich Bürger eingebracht haben", sagt Bezirksbürgermeister Knut Binnewerk. Die Initialzündung ging von der Interessengemeinschaft Styrumer Geschäftsleute aus, die Image und Bild des Stadtteils aufpolieren wollen.
Die Bezirksvertretung griff das Thema auf. Bei zwei Veranstaltungen im Jugendheim wurden Ideen gesammelt, die zu einem Gesamtkonzept geformt werden sollten. Binnewerk: "Es schien uns wenig sinnvoll, nur ein paar Bänke oder neue Blumenkübel aufzustellen oder hier und da ein Geländer abzumontieren oder etwas umzustellen." Lehrer und Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule planten nach einer ersten Analyse Platz-Entwürfe, die in der Bezirksvertretung vorgestellt wurden. Die Politik gab zudem Mittel für eine Studentenstudie der Uni Essen/Duisburg frei. Das Planungsamt holte schließlich die Kölner Profis ins Boot. Deren Konzept wurde in der letzten Sitzung präsentiert. Die Reaktionen waren positiv. "Ist super, sieht scharf aus", gibt Binnewerk zwei Stimm(ung)en wieder und hofft, dass der Planungsausschuss am 17. Juni den Entwurf ähnlich wertet und das Verfahren auf dem Verwaltungsweg anschiebt. "Zunächst müssen Planungsmittel freigegeben werden, damit wir anfangen könne", sagt Binnewerk. Zudem gelte es, mögliche Umsetzungsschritte festzulegen und vor allem die Kosten zu ermitteln.
Problematisch ist für die Planung die Bundesstraße. Eingriffe an der B 223 dürften der Stadt schwer fallen. Doch Binnewerk denkt bereits weiter und an das Projekt "Shared Space", bei dem sich Autofahrer, Fußgänger und Radler gleichberechtigt den Verkehrsraum ohne Schilder und Ampeln teilen. Das Grundprinzip lautet "alle nehmen aufeinander Rücksicht."
So viel Vision muss für Styrum sein.
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NRZ vom 10 August 2006: Das Ziel ist im Weg
Wird die Industriestraße in Styrum gebaut? Dahinter steht ein dickes Fragezeichen. SPD und CDU müssten ihre Beschlüsse kippen. SMH will in Styrum einen großen Baumarkt ansiedeln und lockt Stadt und Politik mit der Vorfinanzierung einer Straße, die die Anlieger entlasten würde. SPD und CDU lehnten einen großen Markt ab - bislang.
I n einigen Stadtplänen ist sie schon eingezeichnet, die Industriestraße - allerdings noch mit dem Vermerk: geplant. Die rund 900 Meter lange Trasse zwischen Neustadtstraße und Fritz-Thyssen-Straße/Schützenstraße würde den 19 000 Quadratmeter großen Gewerbepark Styrum, der der SMH gehört, erschließen und Neuansiedlungen von Unternehmen erleichtern.Das Problem: die Finanzierung der auf rund 4,5 Millionen Euro geschätzten Kosten. Die notwendigen Landesmittel waren bislang nicht in Sicht.Die Lösung: SMH und ein ansiedlungswilliges Unternehmen übernehmen einen Teil der Baukosten und finanzieren den Rest der Summe vor. Die Stadt zahlt diesen Betrag dann später zurück. Diesen Vorschlag besprachen kürzlich SMH-Chef Heinz Riedel, die Fraktionsvorsitzenden von SPD und CDU, Dieter Wiechering und Paul Heidrich, mit Planungsdezernentin Helga Sander.
Gefahr für umliegenden Einzelhandel?
Der Haken: Für das Gelände interessieren sich Baumärkte. Doch erst im Juni 2005 lehnten SPD und CDU im Planungsausschuss großflächigen Einzelhandel, also auch einen großen Baumarkt, im Gewerbepark Styrum ab. Die SPD begründete dies unter anderem damit, dass Baufachmärkte zehn Prozent ihrer Verkaufsfläche mit anderem Sortiment bestücken dürfen. Bei einem 12 000 Quadratmeter-Markt wären dies 1200 Quadratmeter. Das Angebot von Baumarkt fremden Waren gefährde den umliegenden Einzelhandel. Die CDU sah sogar überhaupt keinen Bedarf für einen Baumarkt.
Nun kommt es also auf die Politik an, die das Gelände in ein sogenantes Sondernutzungsgebiet umwidmen müsste. SPD-Fraktionschef Dieter Wiechering steht der Sache positiv gegenüber.
Und die CDU? Ende des Monats werde man die Sache besprechen, so Fraktionschef Heidrich. Man sei zwar an einer Entlastungsstraße über SMH-Gelände interessiert, um den Schwerlastverkehr etwa von der Dümptener Straße weg zu bekommen. "Problematisch ist aber der Baumarkt." Für den gebe es keinen Bedarf: "Die Dümptener und Winkhauser fahren nach Essen, die Saarner nach Breitscheid." Er glaubt, dass es in der Fraktion keine Mehrheit für einen Baumarkt geben wird.
Ein Bau der Industriestraße rückte damit in weite Ferne.
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Lokalnachrichten "Antenne Ruhr" vom 21.07.06:
Der Hitze-Sommer geht erstmal weiter - aber für die Wasser-Probleme im Styrumer Naturbad ist noch keine Lösung in Sicht.
Der Hitze-Sommer geht erstmal weiter - aber für die Wasser-Probleme im Styrumer Naturbad ist noch keine Lösung in Sicht. Das Bad musste in letzter Zeit mehrmals kurzfristig geschlossen werden, weil das Wasser zu trüb wurde. Inzwischen hat sich herausgestellt: Das Freibad ist von Anfang an nur für 3.000 Besucher pro Tag gebaut worden. Die aktuellen Probleme haben damit allerdings nur zum Teil zu tun, denn auch bei weniger Besuchern trübt sich das Wasser in den Becken gefährlich ein. Aus diesem Grund könne für die kommenden Wochen keine Einlassgarantie gegeben werden, sagte uns Heinz Moseler vom Mülheimer SportService.
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Stadionumbau.(Juni 2004)
Noch in diesem Herbst (2004) gehen am Freibad Styrum die Umbauarbeiten los.
Mit dieser Entscheidung steht fest: Die Anlage wird zum Naturbad - trotz aller
Proteste. Das Projekt kostet drei Millionen Euro. Im nächsten Sommer (2005) wird das Bad aller Voraussicht nach noch geschlossen bleiben. Die Arbeiten sollen zwölf
Monate dauern.
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Kommunalwahlergebnisse aus Styrum vom 26.September 2004.
Styrum (Nord) SPD 44,2%. CDU 30,2%. FDP 5,6%. Gruene 5,6%. MBI 9,2%. Familie
2,7%. WIR 2,6%.-----Styrum (Sued) SPD 50,6%. CDU 22,2%. FDP 5,0%. Gruene 5,9%.
MBI 11,2%. Familie 2,5%. WIR 2,6%.
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Beim Buergerentscheid am 27. Februar 2005 gab es folgendes Ergebnis:
Styrum (Nord) 891 gueltige Stimmen(16,7%), davon 784 Ja-Stimmen(87,99%)
---Styrum (Sued) 684 gueltige Stimmen(15,35%), davon 598 Ja-Stimmen(87,43%)
Es ging um die Frage: "Soll die Stadt Mülheim an der Ruhr es in Zukunft
unterlassen, bei der Gründung neuer bzw. der Änderung bestehender Gesellschaften
im Bereich der Daseinsvorsorge (insbesondere im Bereich der Entsorgung, der
Stadtentwässerung, der Versorgung mit Energie und Wasser, des öffentlichen
Personennahverkehrs, der Altenpflege, der Stadtbücherei und der Unterhaltung von
städtischen Gebäuden und Anlagen) Gesellschaftsanteile an Private zu
übertragen?" ( 82,38% der Muelheimer Waehler stimmten mit " Ja".)
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Landtagswahlergebnisse aus Styrum vom 22.Mai 2005.
Styrum (Nord) SPD 49,6%. CDU 32,6%. FDP 4,2%. Gruene 3,4%. Sonstige
10,2%.-----Styrum (Sued) SPD 56,7%. CDU 24,3%. FDP 4,0%. Gruene 4,3%. Sonstige
10,7%.
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NRZ vom 12.10.2005: Außen hui - innen pfui
Nur zu deutlich offenbart der Bahnhof Styrum seine zwei Seiten: einerseits
das architektonisch wertvolle, alte Wartegebäude, andererseits den
heruntergekommenen aktiven Bahnhofsteil. Außen hui - innen pfui, so könnte man
den Zustand des Styrumer S-Bahnhofs wohl treffend beschreiben. Bietet sich dem
Betrachter von der Hauskampstraße aus der schöne Anblick des alten
Bahnhofsgebäudes von 1905, erinnert der Gang zu den Gleisen eher an Dantes
"Göttliche Komödie": "Fremder, der Du hier eintrittst, lasse alle Hoffnung
fahren." Trostloses gräuliches Weiß an den Wänden, das hier und da, wo es nicht
von Graffiti zusammen gehalten wird, abblättert. Dazu Uringestank, der bei jedem
ein- oder vorbeifahrenden Zug durch den gesamten Tunneldurchgang gedrückt wird.
Klaus Gerbrecht, Leiter der zuständigen Verkehrsstation in Duisburg, erläutert:
"Unsere Aufgabe ist es, in den Bahnhöfen das 3 S-Konzept der Bahn umzusetzen. 3
S steht dabei für Service, Sauberkeit und Sicherheit." Auf die Frage, warum sich
beispielsweise der Einsatz von Überwachungskameras auf die Gleise beschränkt,
antwortetet der Fachmann: "Die Kameras sind auf die Aufzüge gerichtet, um so
eine gewisse Kontrollfunktion zu übernehmen." Zudem sollten sich auch die
Notrufsäulen im Blick befinden - und die seien nun mal auf dem Bahnsteig. Das 3
S-Konzept zöge nicht für jeden Bahnhof die gleichen Maßnahmen nach sich. Styrum
werde als eher kleinere Station dabei weniger Aufmerksamkeit zuteil als
beispielweise dem Hauptbahnhof. Ursprünglich sei es geplant gewesen, dass die
Radstation am Styrumer Bahnhof eine Aufsichtsfunktion übernimmt. Dies sei
selbstverständlich jedoch auf deren Öffnungszeiten beschränkt. "Speziell in
Mülheim-Styrum haben wir ein Vandalismus-Problem", räumt Gerbrecht ein. Dem sei
aber mit den eingesetzten Sicherheitskräften kaum beizukommen. "Wir haben
insgesamt 65 Bahnhöfe zu betreuen." Für die Aufsicht der 65 Bahnhöfe stehen nach
Aussage des Leiters der Verkehrsstation gerade einmal zwei Männer zur Verfügung,
die jedoch hauptsächlich im Duisburger Bereich eingesetzt würden. Der Grund für
dieses krasse Missverhältnis liegt in der heutigen Zeit auf der Hand: "Wir haben
für solche Sachen nicht unbegrenzt Geld", bedauert Klaus Gerbrecht. Kurzzeitig
wirkende, kosmetische Maßnahmen wurden getroffen. So sei in den letzten fünf
Jahren "drei bis vier Mal" gestrichen worden, was jedoch wenig bringe, da binnen
kürzester Zeit wieder neue Schmierereien angebracht seien. "Wir kämpfen da und
versuchen das Beste", beteuert er. Mitverantwortlich für den schönen Teil des
Bahnhofs ist die Familie Heitmann. "Mein Schwiegervater hat die Räumlichkeiten
1941 übernommen. Damals war der heutige Schankraum die Wartehalle für die Zweite
Klasse", erklärt Elisabeth Heitmann. Sie hat den Pachtvertrag von ihrem 1990
verstorbenen Mann übernommen und führt die Gaststätte jetzt gemeinsam mit ihren
Söhnen Thomas und Werner. Der jetzige Veranstaltungssaal, kleiner und niedriger
als die Halle, diente den Gästen der Ersten Klasse als Warteraum - dort
inklusive Bewirtung. 1965, mit der Aufhebung des Klassensystems, dehnten die
Heitmanns ihr Engagement dann auf das gesamte Bahnhofsgebäude aus. Die Kosten
für die Innenarbeiten des kompletten Neuumbaus 1992 trugen sie selbst. Die Bahn
erneuerte Dach und Fassade. Thomas Heitmann versucht immer wieder auf die
Verantwortlichen einzuwirken, um eine Verbesserung der momentanen Situation zu
erreichen. 1996/97 wurde dann schließlich der Bahnhofsvorplatz hergerichtet.
"Der Bahnhof sollte laut Bahn ein Vorzeigeobjekt sein", bemerkt er mit einem
bitteren Lächeln. Er sieht die Entwicklung, beziehungsweise Stagnation, den Ort
betreffend, schon von Berufs wegen kritisch: "Wenn das Umfeld nicht stimmt, hat
man natürlich Probleme, neue Gäste zu bekommen", gibt er zu bedenken. Die Leute
kauften sich an dem der Radstation angegliederten Kiosk Bier und tränken es dann
auf dem Bahnhofsvorplatz, und fast jedes Wochenende werde am Bahnhof randaliert,
würden Scheiben eingetreten. Bei kürzlich versuchten Anfragen bei der Bahn
merkte er nichts mehr von den 60 Jahren, die seine Familie schon Pächter ist.
"Bisher hatten wir Heitmanns da immer noch eine gewisse Lobby. Heute fragt man mich nach einer Kundennummer!"
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NRZ vom 09.Feb.2005: In der Serie "Ausverkauf?" hat die NRZ die Oberhausener
Strasse unter die Lupe genommen.
In der Serie "Ausverkauf?" hat die NRZ die Oberhausener Strasse unter die
Lupe genommen. D er Donner ist ohrenbetäubend, als wäre der Himmel über Styrum
eine einzige große Pauke. Ein Gewitter im Februar, der Wind schickt Vorhänge aus
Regentropfen schräg nach unten auf die Oberhausener Strasse.Ravi Badjajs
Stimmung passt zum Wetter. "Es ist ruhig hier. Wegen dem Wetter, aber auch
sonst", sagt der Trinkhallen-Betreiber. "Es ist tot wie auf dem Friedhof." Damit
meint der 21-Jährige, dass es im Stadtteil ziemlich ruhig ist. Er meint aber
auch sein Geschäft. "Die Leute haben einfach kein Geld mehr. Wir sind seit fünf
Jahren hier, und es ist viel ruhiger geworden."Viele seiner Kunden seien
arbeitslos. "Die meisten, die ich kenne, wollen hier weg." Er selbst lebt in
Essen. "Aber ich würde nicht nach Styrum ziehen." Klar, die Bude läuft noch
einigermaßen. "Wenn nicht, würden wir hier dicht machen." Dann kommt ein Kunde
herein, nassgeregnet, mit Schnurrbart im roten Gesicht und Tätowierungen an den
Händen. "Tach Klaus", sagt Badjaj. "Ein Alt", sagt Klaus und geht zu einem der
Stehtische. Wenigstens die Männer, die hier regelmäßig ihr Bier trinken, kommen
noch.Die Oberhausener Straße - das ist erstens das Zentrum von Styrum und
zweitens nicht unbedingt die glamouröseste Meile der Stadt. 31 Einzelhändler
verzeichnet ein Gutachten der Unternehmensberatung BBE aus dem vorigen Jahr und
dazu sieben leerstehende Ladenlokale. Besonders abwechslungsreich ist das
Angebot nicht. Heute gibt es fünf Anbieter von Sportwetten, Spielhallen,
Frisöre, dazu gleich drei Apotheken, zwei Optiker und zwei Fahrschulen. Und
eben: Leerstand. Der Traum vom großen Wurf Johannes Hesselmann kennt die Gründe
dafür. Der CDU-Politiker ist stellvertretender Bezirksvorsteher und seit 30
Jahren in der Kommunalpolitik. "Ein Teil der Geschäftsleute ist in einem Alter,
wo sie an Geschäftsaufgabe denken", erklärt er. "Und wenn sie dann keinen
Nachfolger haben, machen sie den Laden zu." Hinzu komme der Verkehr auf der
Haupteinkaufsstraße. "Das Problem ist, dass die Oberhausener eine Bundesstraße
ist." Entsprechend ungemütlich ist es für Fußgänger. Denn neben Pkw und
Straßenbahnen sind auch schwere Lkw unterwegs. Eine Lösung ist nicht in Sicht.
"Es soll zwar einen Umgehungsstraße von der Fritz-Thyssen-Brücke zur
Mannesmannallee geben", sagt Hesselmann. "Aber dafür ist im Moment kein Geld
da." Und selbst wenn doch: "Ganz wird man den Lkw-Verkehr nicht aus Styrum
herausbekommen." Schließlich sei die Oberhausener Straße der einzige Verkehrsweg
quer durch den Stadtteil. Kurzum: Probleme gibt es genug, Lösungen sind aber
nicht in Sichtweite. Einen großen Wurf wird es jedenfalls nicht geben, meint
auch Hesselmann. "Das ist alles illusorisch." Allenfalls könne man über eine
Neuplanung der Straße nachdenken, über Verbesserungen in kleinen Schritten also.
"Wir werden dazu einen Antrag in die Bezirksvertretung einbringen", sagt
Hesselmann. Doch ob sich dann wirklich etwas ändert in Styrum? Auch der
Bezirksvertreter selbst ist da skeptisch. Doch nicht alle sind so pessimistisch.
Der Großbäcker Hemmerle etwa hat erst im November eine neue Filiale in Styrum
eröffnet. "Der Ruf ist schlimmer, als Styrum wirklich ist", sagt Peter Hemmerle,
der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder führt. Und er sagt auch :
"Styrum passt gut in unser System." Bisher sei er jedenfalls zufrieden mit der
Geschäftsentwicklung. "Man kann nur mit positivem Engagement ein Geschäft nach
vorne bringen. Ich freue mich immer, wenn es Geschäfte in der Nachbarschaft
gibt, die genauso denken." A uch wenn der erste Eindruck ein anderer sein mag:
Die gibt es auch an der Oberhausener Straße. Ein Beispiel dafür ist der Laden
von Torsten Lennermann. Schon seit fast fünf Jahren verkauft er in Styrum
Modelleisenbahnen. Gerade erst ist das Geschäft umgezogen - aber nur von einer
Straßenseite auf die andere. "Unsere Branche hat auch Schwierigkeiten", erklärt
Lennermann. Doch die Kunden kommen weiter - und längst nicht nur aus Mülheim.
Auch aus Geldern oder Wesel reisen die Sammler an, um Lokomotiven für mehrere
hundert Euro zu erwerben. "Das macht die Mundpropaganda", sagt Lennermann, der
selbst Modelleisenbahner ist. Geschäft macht man mit dem Herzen Einige hundert
Meter weiter nördlich arbeitet Alexander Dreckmann gerade an der Fassade seines
frisch eröffneten Geschäftes. Und auch wenn er in einer anderen Branche tätig
ist als Lennermann, so gibt es eine Gemeinsamkeit: Beide sind mit dem Herzen
dabei. 36 Jahre lang hat Dreckmann ein Tapetenhaus in Duisburg betrieben. Der
Mietvertrag lief aus, und Dreckmann zog um, ins Haus seiner Eltern. Angst vor
dem Scheitern hat der 62-Jährige nicht. "Ich habe schon so viel erlebt, mich
kann so schnell nichts mehr erschüttern", sagt er schmunzelnd. Auch andere haben
so viel Schwung - und dazu außergewöhnliche Ideen. Der Frisörsalon Iwanowsky
etwa lockt mit einem Herren-Kranzhaarschnitt für ganze 3,50 Euro - der Döner
nebenan ist nur 30 Cent billiger. Und wieder ein paar Meter weiter bietet Gudrun
Koenen "Happy Mode" an - für Frauen, die Größe 58 bis 78 brauchen. Selbst
entworfen und den Kundinnen auf den stattlichen Leib geschneidert. Das hat ihr
nicht nur ein florierendes Geschäft und Kundschaft aus dem ganzen Bundesgebiet
eingebracht, sondern auch einen Ruf wie Donnerhall. Da übernehmen auch schon
einmal Frauen das Marketing für ihr Lieblingsgeschäft, die eigentlich nur zum
Einkaufen da sind: "Frau Koenen ist der Engel der Dicken. Stimmt wirklich." Und
dann donnert es wieder in Styrum. Aber diesmal ist es fröhlicher Donner.
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